Ergonomie in Lager und Logistik wirksam verbessern
In Lager- und Logistikbereichen entstehen täglich tausende Bewegungsabläufe: Waren einlagern, kommissionieren, verpacken und versenden. Beschäftigte legen oft viele Kilometer pro Schicht zurück, heben Kartons, bewegen Paletten oder arbeiten an Förderanlagen. Typische Belastungen sind langes Stehen, schweres Heben, gebückte oder verdrehte Körperhaltungen sowie monotone Tätigkeiten wie Scannen, Etikettieren oder Packen.
Ohne ergonomische Gestaltung führt dies zu Muskel-Skelett-Beschwerden, steigenden Fehlzeiten und geringerer Prozesssicherheit. Ergonomie im Lager bedeutet daher, Wege zu verkürzen, Lasten zu reduzieren und Arbeitsplätze so einzurichten, dass Belastungen minimiert werden.
Welche Belastungen entstehen bei Kommissionierung und Verpackung?
Die Kommissionierung zählt zu den arbeitsintensivsten Prozessen in der Logistik. Artikel müssen aus unterschiedlichen Regalebenen entnommen, zusammengestellt und für den Versand vorbereitet werden. Zwangshaltungen entstehen, wenn Beschäftigte in tiefe oder hohe Ebenen greifen, während das Tragen schwerer Kartons Rücken und Schultern belastet. Auch das Erfassen von Warenbeständen spielt eine wichtige Rolle: digitale Scanner reduzieren Zwangshaltungen und Ermüdungserscheinungen, erleichtern die Bedienung und tragen gleichzeitig zur Fehlervermeidung bei.
Am Verpackungsplatz kommen lange Standzeiten und wiederholte Bewegungen hinzu – Kartons falten, Kleben, Etiketten anbringen. Ohne Hilfsmittel summieren sich diese Belastungen im Laufe einer Schicht erheblich.
Ergonomische Optimierungspotenziale
- Kommissionierregale mit ergonomischer Greifhöhe und Durchlauftechnik
- Pick-by-Light- oder Put-to-Light-Systeme zur Reduzierung von Suchzeiten
- Höhenverstellbare Packtische für unterschiedliche Beschäftigte und Waren
- Ergonomische Handscanner zur Entlastung und fehlerfreien Datenerfassung
Welche Rolle spielt das Materialhandling im Lager?
Neben stationären Tätigkeiten ist der innerbetriebliche Transport eine zentrale Belastungsquelle. Paletten, Rollcontainer oder schwere Gebinde müssen bewegt werden, oft über lange Wege oder durch enge Gänge. Werden Lasten ohne Hilfsmittel transportiert, steigt das Unfall- und Gesundheitsrisiko deutlich. Schlecht geplante Verkehrswege mit Hindernissen oder unübersichtlichen Kreuzungen verschärfen die Situation.
Eine ergonomische Gestaltung ist daher nicht nur für einzelne Arbeitsplätze, sondern für den gesamten Materialfluss in der Halle von Bedeutung.
Praktische Lösungsansätze
- Einsatz von Hubwagen, Scherenhubtischen und fahrerlosen Transportsystemen
- Förderanlagen und Rollenbahnen zur Reduktion manueller Transportwege
- Optimierte Verkehrswege mit klarer Beschilderung und Beleuchtung
- Greifhilfen und Hebesysteme für schwere oder unhandliche Lasten
Welche Bedeutung hat die Arbeitsumgebung im Lager?
Beschäftigte in Logistikzentren arbeiten oft in Hallen mit ungünstigem Klima, hoher Lautstärke und künstlicher Beleuchtung. Kälte, Zugluft oder Lärm beeinträchtigen die Konzentration, während monotone Abläufe beim Scannen, Zählen und Etikettieren die körperliche und geistige Ermüdung erhöhen.
Ergonomische Maßnahmen müssen deshalb auch das Umfeld berücksichtigen, von der Klimatisierung über die Beleuchtung bis hin zu Pausenorganisation und Aufgabenrotation.
Praxisnahe Maßnahmen
- Blendfreie LED-Beleuchtung mit ausreichender Helligkeit an Kommissionier- und Packplätzen
- Klimatisierung oder gezielte Belüftung zur Anpassung an Jahreszeiten
- Schallschutzmaßnahmen in lauten Bereichen
- Aufgabenrotation und Mikropausen, um monotone Belastungen zu reduzieren
Welche Vorteile bringen ergonomische Arbeitsplätze in Lager und Logistik?
Ergonomische Verbesserungen senken körperliche Belastungen in allen Bereichen – von der Kommissionierung über das Verpacken bis zum innerbetrieblichen Transport. Beschäftigte arbeiten konzentrierter und gesünder, während Unternehmen von weniger Ausfalltagen, stabileren Abläufen und höherer Prozesssicherheit profitieren. Gleichzeitig erhöht eine gute Ergonomie die Attraktivität der Arbeitsplätze, was angesichts des Fachkräftemangels in der Logistik ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist.